Zu Besuch bei Blumen per Lumen

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Mas österreichische „Suchtgiftgesetz” weißt eine Besonderheit auf, die es so nur hier gibt: Österreichische Unternehmen dürfen Hanfstecklinge produzieren und als Zierpflanzen verkaufen. Dabei müssen sie allerdings darauf achten, dass die Pflanzen nicht in die Blüte gelangen, da sie dann das verbotene Cannabinoid THC produzieren würden. Solange die Pflanzen nur in der vegetativen Phase gehalten werden (sie also mindestens 18 Stunden Licht pro Tag bekommen) ist der Anbau von Hanfpflanzen legal. Seit bald 15 Jahren werden bei „Blumen per Lumen” im 7. Wiener Bezirk, Hanfstecklinge verkauft. Doch das es dabei nicht immer problemlos zu ging, musste der Inhaber von Blumen per Lumen, Franz Schildhammer, am eigenen Leib erfahren…

grow! Hallo Franz, haben wir richtig gerechnet, das dein Laden bald 1.5 Jahre existiert?
Franz: Nächstes Jahr im Mai sind es genau 15 Jahre. Unser Betrieb ist damit einer der ältesten Stecklingsproduzenten Österreichs.
grow! Mittlerweile gibt es ja einige Mitbewerber im Stecklingsmarkt…
Franz: Allerdings, wobei viele dieser neuen Unternehmen von ehemaligen Kunden eröffnet wurden.
grow! Hast du dir quasi deine Konkurrenz selbst aufgebaut?
Franz: Das könnte man fast so sehen… Ich  pflege seit jeher einen sehr offenen Umgang mit meinen Kunden. Ich gebe gerne Auskunft zu meinen Produkten und informiere auch Ober die Vor- und Nachteile. Klar, dass ich meine Kunden von meiner Erfahrung profitieren lasse, und dabei beisteht immer die Gefahr, dass das in irgendeiner Form zum Nachahmen motiviert.
grow! Wie viele Leute seid ihr hier?
Franz: Im Laden halten vor allem Flo und Sam die Stellung, zusammen mit der Mannschaft aus der Stecklingsproduktion sind wir sieben Mitarbeiter.
grow! Was hat dich dazu veranlasst, als einer der Ersten einen Stecklingsbetrieb zu eröffnen?
Franz: Das Thema Cannabis interessiert mich schon seit vielen Jahren. Meine ersten Erfahrungen habe ich im Alter von 16 Jahren gemacht, was jetzt fast vierzig Jahre her ist. Ich war auch einige Zeit auf Reisen, unter anderen in Asien, und konnte dort die unterschiedlichen Cannabisgenetiken kennenlernen. Als es in Österreich von den Gesetzen her möglich wurde, Hanfstecklinge zu produzieren und zu verkaufen, war das für mich die Gelegenheit, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Damals gab es zwar schon Hanfläden, doch wurden dort keine Stecklinge verkauft. Selbst Hanfsamen waren anfangs nicht überall zu bekommen. Da wir nur das Grundsortiment an Equipment führen, schickten wir die entsprechenden Interessenten zu den Growshops, und die schickten uns Leute, die Stecklinge haben wollten. Damals — so habe ich das Gefühl — war der Kapitalismus in der Hanfbranche noch nicht so ausgeprägt.
grow! Das hat sich aber grundlegend geändert. Hanfsamen gibt es heute in jedem gut sortierten österreichischen Head-oder Growshop. Und auch Stecklinge sind gut verfügbar. Hattest du eigentlich keine Bedenken, dass du durch die Eröffnung eines Stecklingsbetriebs vielleicht doch Probleme mit der Polizei bekommen könntest?

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Franz: Bedenken hatte ich schon, nur habe ich mich nicht davon abhalten lassen. Zu der Zeit haben die GRÜNEN in Deutschland im Wahlkampf offensiv eine Entkriminalisierung von Cannabis gefordert. Das hat auch in Österreich für Optimismus gesorgt…
grow! Leider haben die GRÜNEN die Erwartungen nicht erfüllen können — im Gegenteil, nicht mal das Hanfsamenverbot haben sie verhindert, das kurz nach ihrer Wahl in Deutschland in Kraft trat…
Franz: Ja leider! Hätte Deutschland den Schritt gewagt und Cannabis entkriminalisiert, hätte das Auswirkungen auf die Cannabispolitik in ganz Europa gehabt. Aber so bekam die Branche in Deutsch-land einen heftigen Dämpfer…
grow! Hattest du mit deinen Stecklings-betrieb jemals Probleme mit der Polizei?
Franz: Ja, da ich eine gewisse Vorgeschichte habe (ich wurde mal, vor 35 Jahren, von Marokko kommend erwischt…), hatte mich die Polizei natürlich auf den Kieker. Einmal sind sie eingeflogen und haben etwa zehn bis zwölf tausend Pflanzen Beschlagnahme. Das waren hauptsächlich Stecklinge. Die wurden von der staatlichen ARGIS groß gezogen und anschließend ihr THC-Gehalt ermittelt. Es wurde auf eine Cannabismenge von 2 Tonnen hochgerechnet und dafür wollte man mich anklagen.
grow! Und wie ist es gelaufen?
Franz: Es hat mich eine Menge Geld gekostet, denn die Rechtsanwälte sind nicht billig. Außerdem sah es aus wie nach einem Bombenangriff. Kein Wun-der, wenn zwischen 35 und 5o Polizisten durch die Räume rennen und alles durchsuchen. Dabei ist vieles kaputt gegangen…Naja, man Ende war ich vier Tage im Knast, dann wurde das Verfahren niedergelegt.
grow! Hättest du die Polizeibeamten nicht auf Schadenersatz verklagen können?
Franz: Sicher, das kannst du versuchen! Eine Schadensersatzklage richtet sich nach dem Zivilrecht. Dabei bemessen sich die Gerichtskosten nach dem Streitwert. In meinem Fall wären das rund 15o.000 Euro gewesen. Und falls man verliert, muss man die Gerichtskosten tragen und die 15o.000 Euro sind weg. Das sollte man sich ein zweites Mal überlegen, ob man so ein Risiko eingehen und die Kohle aufs Spiel setzen will.
grow! Wie ist das aktuell in Wien, gibt es hier viele „Hanffreunde”?
Franz: Es wird schon viel gekifft. Wenn ich auf die Straße schaue, sehe ich dort immer wieder Joint-Stummel herum liegen, das ist schon auffällig. Früher habe ich selbst in fast jeder Kneipe geraucht, allerdings immer möglichst unauffällig und ohne jemanden damit zu stören. Damals hatte ich aber auch noch keinen Laden. Als Hanfladen Besitzer wurde ich dann aber vorsichtiger. Man muss halt auch mal Kompromisse machen, will man den Ärger nicht herauf beschwören…
grow! Hast du nicht auch mal Samen produziert?
Franz: Ja, dass stimmt. Das war Öster-reichs erste offizielle Samenbank mit Namen „Sonic Seeds”.

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grow! War das nicht problematisch, weil dazu die Pflanzen blühen müssen, was das Suchtgiftgesetz ja unter Strafe stellt?
Franz: Das ist der Punkt. Wenn zu derzeit die Polizei gekommen wäre und die 100 blühenden Pflanzen trotz der detaillierten Zuchtberichte gefunden hätten, wäre das nicht so locker abgelaufen. Die interessiert es nicht, ob die Blüten voller Samen und für den Konsum gar nicht geeignet sind. Bei der Menge an Blüten und dem THC das darin enthalten — trotz der Samen — ist, hätte es wohl für eine mehrjährige Haftstrafe gereicht.
grow! Wie oft hast du das gemacht?
Franz: Nur ein paar mal, dann ist es mir zu heiß geworden. Das Risiko stand nicht wirklich in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen…
grow! Woher hattest du die Grundgenetik, die du zum Richten ja brauchst?
Franz: Die hatte ich mir zusammen gesucht. Ich hatte schon Pflanzen selektiert und davon einige Samen, die mit anderen Sorten, die meinen Vorstellungen entsprachen, gekreuzt wurden. Letztlich ganz einfach…
grow! Hast du dabei mehr Wert auf die In-dicas oder die Sativas gelegt?
Franz: Naja, mir geht es darum, gutes Gras zu bekommen. Ich habe viele Jahre geraucht, und möchte meine Zeit nicht mit schlechtem Weed verschwenden. Über die Jahre bin ich da anspruchsvoller geworden, vielleicht auch weil ich jetzt weiß, was möglich ist. Ich halte nicht all zuviel von kommerziellen Sorten, die viel-leicht einen hohen Ertrag bringen, aber nicht das Aroma und das Wirkstoffspektrum aufweisen, welches mir wichtig sind. Zur Zeit läuft eine Testreihe mit automatisch blühenden Sorten, da mich dieses Thema doch sehr interessiert.
grow! Und wie sind deine bisherigen Eindrücke?
Franz: Ich mache das so, dass ich sowohl outdoor als auch indoor anbaue, und dabei jeweils Pflanzen unter optimalen Bedingungen halte, und auch welche unter sehr schlechten Bedingungen. Das Resultat ist bisher enttäuschend. Bei vielen Sorten ist es so, dass aus fünf Samen drei verschiedene Phänotypen entstehen. Und so etwas nenne ich nicht stabil. Bei den feminisierten Samen war das anfangs ähnlich, mittlerweile funktionieren die aber ganz gut. Bei den „Automatischen” — so mein Eindruck — sind wir noch nicht so weit. Von den un-
zähligenig Sorten will ich mir die besten fünf heraussuchen, für mich, aber auch, um sie meinen Kunden empfehlen zu können. Und drunter sind Leute, die mit den einfachsten Mitteln an bauen, genauso wie echte Profis. Und dieser großen Bandbreite an Kunden will ich gerecht werden. Und dazu brauche ich diese aufwendigen Testreihen, um am Ende auch über die nötige eigne Erfahrung zu verfügen.
grow! Hast du schon Sorten, die in die nähere Auswahl kommen könnten?
Franz: Afghani Skunk ist ganz gut, die ich dann aber sicher unter einem anderen Nahmen anbieten würde, z.B. als „Taliban”. Auch alles was mit „Northern Lights” ge-kreuzt wurde, hat in der Regel ein gutes Potential. Mein Plan ist, Samen von an-deren Hanfsamenbanken einzukaufen und sie dann über Sonic Seeds mit neuen Namen zu verkaufen. In diese Kollektion sollen aber nur die besten Sorten aufgenommen werden, quasi eine Auswahl der besten aktuellen Hanfsorten unterschiedlicher Produzenten.
grow! So ersparst du dir die schlaflosen Nächte, die dir das Produzieren mit henden Pflanzen bereiten würde…
Franz: Ganz genau. Wobei das immer ein Ziel bleiben wird — wenn es von den recht-lichen Rahmenbedingungen möglich ist — selbst wieder in die Hanfsamenproduktion einzusteigen.
grow! Sehen wir dich auf der Cultiva Hanfmesse?
Franz: Ja, dort haben wir einen großen Stand. Würde mich freuen, wenn auch viele Leser bei uns vorbei schauen!
grow! Alles klar, dann bis zur Cultiva!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!
Weitere Infos: www.blumenperlumen.at

 

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