Hemp Museum Gallery Barcelona

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Im Mai 2012 — vor kaum einem Jahr — eröffnete das dritte Hanf orientierte Museum, das wir euch in unserer kleinen Reihe vorstellen. Nach Amsterdam und Berlin führt uns die Reise diesmal in die Provinzhauptstadt Kataloniens. Hier warten bereits Sophie und Ferenz, um uns durch ein frisch renoviertes Jugendstil-Gebäude im gothischen Viertel (dem mittelalterlichen Stadtkern) Barcelonas zu führen. Dabei bekommen wir viele interessante Dinge zu sehen und erfahren auch einiges, was wir vorher noch nicht gehört hatten.
Wie auch das Hashmuseum in Amster-dam, ist die Existenz dieses Museums besonders dem niederländischen Hanf-Pionier Ben Dronkers zu verdanken. Er hatte 1985 nicht nur „ein“ Museum in Amsterdam eröffnet, sondern auch eine Hanfsamenbank, die unter dem Namen Sensi Seeds in den folgenden Jahren zu weltweiter Bekanntheit gelangen sollte. Es ist vor allem Bens Reiselust zu verdanken, dass die vielen Ausstellungsstücke, die sowohl in Amsterdam als auch in Barcelona zu sehen sind, überhaupt zusam-mengetragen wurden. Ben bereist seit den Sechzigerjahren Länder wie Afghanistan, Pakistan, Thailand, Indien und so weiter. In all diesen Ländern gibt es eine uralte Hanfkultur, die sich zum Teil bis heute erhalten konnte. Auch in Europa war Hanf nicht immer das verbotene Kraut, zu dem es seit einigen Jahrzehnten gemacht wird. Zumindest hat Ben auch in  unseren Breiten viele Stücke gefunden, die dies eindrucksvoll belegen: Cannabis gehörte früher in vielfältiger Form zum Alltag der Menschen dazu cannabis anbau
Das Museum, so erfahren wir von unseren beiden Führern, ist offiziell eine Gallery. Ähnlich wie in Amsterdam gab es auch hier Probleme mit der Genehmigung zum Betreiben eines Museums. Und wie in Amsterdam war die Lösung ganz einfach: Man richtet einen Raum ein, hängt Bilder an die Wand und erklärt das gesamte Gebäude zur Kunst-Gallery. Und schon sind die Behörden glücklich und haben auch kein Problem damit, wenn mehr als 90 Prozent der Fläche mit Aus-stellungsstücken und Vitrinen rund ums Thema Cannabis belegt sind.
Sophie und Ferenz berichten uns, dass Ben dieses Gebäude bereits 2002 gekauft hatte. Es war aber in einem so  schlechten Zustand, dass ein Team von Architekten, Handwerkern und Künstlern zehn Jahre für die notwendigen Re-novierungsmaßnahmen brauchte. Es war viel filigrane Handarbeit erforder-lich, um die zahlreichen Details wieder im ursprünglichen Glanz erscheinen zu lassen. Doch wie wir unschwer erkennen können, hat sich der Aufwand gelohnt. Deutlich schneller ging das Einrichten der eigentlichen Ausstellung. Dafür brauchten die erfahrenen Mitarbeiter um Ben und seinem Sohn Allen gerade einmal drei Monate. Wer sich mit der Ausstellung im Hash Museum Amsterdam schon beschäftigt hat, wird in Barcelona so manches wiedererkennen. Kein Wunder, gewisse Dinge bleiben gleich, egal, wo man sie präsentiert.
Doch ganz anders als in Amsterdam ist die hier Raumaufteilung. Das Gebäude ist deutlich größer als das kleine Amsterdamer Museum und die dortige Gallery zusammen. Entsprechend großzügig konnte eingerichtet werden. Dadurch wirken viele Exponate besser und fallen eher ins Auge. So macht es noch mehr Spass, sich mit der Thematik zu be-schäftigen und auch mal längere Texte zu lesen. Jedoch sollte man Spanisch oder Englisch können, um alles zu verstehen. Ein weiterer Unterschied zum Amsterdamer Hash Museum ist, dass in Barcelona ein allgemeines Rauchverbot gilt. Das schließt auch die Verwendung von Vapo-rizern mit ein, obwohl sie streng genom-men keinen Rauch, sondern nur Dampf er-zeugen. In der Amsterdamer Gallery gibt es eine Vapor-Lounge, wo verschiedene Kräuter — nicht nur Cannabis — in unter-schiedlichen Vaporizern getestet werden können. Das würde wohl auch in Barcelona bei den Museumsbesuchern gut ankommen, aber da das Museum noch jung ist und die Behörden sich erst einmal daran gewöhnen müssen, will man es hier erst mal locker angehen lassen. „Die Resonanz ist bisher super“, berichtet uns Sophie. Gerade ältere Leute, die mit Cannabis eher eine gefährliche Droge als ein wertvolles Naturprodukt verbinden, sind völlig begeistert. Sie zeigen sich überrascht von den vielen unterschiedlichen Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten. Oft wussten sie gar nicht, dass Cannabis bei Krankheiten wie Epilepsie helfen kann, die Samen wertvolle Nährstoffe enthalten und sich die Fasern zu allen möglichen Textilien verarbeiten lassen. „Wir wollen aufklären und dazu beitragen, dass die Lügen über Cannabis durch überprüfbare Fakten ersetzt werden“, macht Ferenz klar.
Das Museum hat täglich zwischen io und 23 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, für Gruppen ab zehn Personen reduziert sich der Eintritt auf 7 Euro. An Samstagen und Sonntagen werden einstündige Führungen angeboten, an denen jeder Besucher (ohne weitere Kosten) teilnehmen kann. Für Besuchergruppen können auch an anderen Tagen Führungen verabredet werden.
Alle hanfinteressierten Barcelona-Besucher sollten es sich nicht entgehen lassen, in der „Hemp Museum Gallery“ vorbei zu schauen. Sie liegt zwar nicht unmittelbar auf der Touristen-Meile, ist anderseits aber auch nur wenige Hundert Meter davon entfernt. Dennoch raten wir, einen Stadtplan zur Hilfe zu nehmen, um sich langes und nerviges Suchen zu ersparen.
Weitere Infos unter:
www.hempmuseumgallery.com

 

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