10 Jahre ULLa in Köln

No Comments

Langjährigen grow!-Lesern ist die Firma „ULLa“ in Köln-Sülz sicher ein Begriff. Seit nun zehn Jahren betreibt Michael Stiller in der Domstadt seinen Shop. Und wie wir im folgenden Interview erfahren konnten, handelt es sich bei diesem Laden offenbar um keinen gewöhnlichen Growshop. Was ihn von anderen unterscheidet, aber auch über die Beweggründe, Entstehungsgeschichte und Geschäftsphilosophie sprachen wir mit unseren Interviewpartnern Lorenzo, Felipe und Micha.
grow! Hallo ihr drei! Schön, dass sich die gesamte Belegschaft für dieses Interview Zeit nehmen konnte.
Micha: Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut — man bekommt ja nicht jeden Tag Besuch von der grow!
grow! Das freut und ehrt uns natürlich sehr! Ihr habt gerade einen runden Geburtstag gefeiert.
Micha: Ja, seit 2012 können wir auf eine zehnjährige Geschichte zurückblicken.
grow! Kannst du dich noch an die Ur-sprünge erinnern?
Micha: Naja, wäre schlimm, wenn nicht. Dazu muss ich aber ein bisschen ausholen. Ende der 9oer musste ich mich einer Chemotherapie unterziehen. Erfolgreich. Der Praxis war eine Selbsthilfegruppe angegliedert. Was die Menschen verband, war neben der Erkrankung und deren Behandlung auch der Umgang mit den Ne-benwirkungen. In dieser Gruppe von etwa 25 Personen gab es einige, die zur Linderung der Nebenwirkungen auch Cannabis einsetzten. Unter anderem war da ein ehemaliger Rundfunkreporter, der wegen Leberkrebs in Behandlung war, ein Ex-Alkoholiker. Mit ihm hatte ich lebhafte Diskussionen, was den Zustand einer Gesellschaft angeht, die zusieht, wie Menschen am Alkohol verrecken und daran noch verdient. Dass er kurz vor der Eröffnung 2002 starb, hat mich in meinem Wunsch bestärkt, mir mit ULLa eine neue Existenz aufzubauen. Mir kam zugute, dass ich die letzten zwei Jahre vor ULLa einen Heimarbeitsplatz in der Softwareentwicklung hatte. Ich besaß zu Hause ein komplett eingerichtetes Büro und brauchte mir keine externe Hilfe für einen Online-Shop zu holen. Durch meine kaufmännische Ausbildung waren mir die wichtigsten Regeln bekannt, und ich hatte Lust, dazuzulernen, was Neues zu machen und mit Menschen zu arbeiten.
grow! Du hattest am Anfang noch einen Partner, oder hast du das alles allein auf-gebaut?
Micha: In der Praxis-Selbsthilfegruppe habe ich den Mitbegründer der ULLa GbR kennengelernt. Der Kollege war und ist als Servicetechniker unterwegs, und wir haben seine Routen immer so geplant, dass er, wenn nötig, Ware holen konnte. Zu dieser Zeit haben wir fast alles direkt aus Holland geholt. Zum Glück liegt das ja bei uns um die Ecke. Wir haben uns prima ergänzt, doch irgendwann war er mit seiner eigenen Selbständigkeit total über-fordert. Deshalb haben wir uns 2003 entschlossen, die GbR aufzulösen.
grow! Wie kam es zu dem Namen, „ULLa“ ist ja kein typischer Growshop-Name?
Micha: Ursprünglich war nur ein Online-Shop geplant. Und dafür brauchten wir eine Domain, am besten der Name der Firma. Zu dieser Zeit hatten wir einen Keller in Zollstock angemietet, von dem wir die Bestellungen auslieferten. Wir waren kein Laden, aber auch kein schnöder Keller. Da drängte sich Ladenlager oder Lagerladen förmlich auf. Da beides als Domain nicht mehr frei war, haben wir uns für unserlagerladen.de entschieden. Beim Erstellen eines Banners bin ich dann drauf gekommen, dass sich unserlagerladen prima zu ULLa zusammenfassen lässt. Und irgendwie hat die ULLa den Versand be-kommen und seitdem heißt es ULLa Versand oder nur ULLa.
grow! Ihr seid quasi die „ULLas“.
Micha: So könnte man es ausdrücken … Selbst Kunden reden uns mit ULLa an. Ist dann schon lustig, wenn wir uns alle drei angesprochen fühlen.
grow! Das ist hier ein reiner Growshop — zumindest habe ich nur wenige Headsho-partikel gesehen. Ist das so gewollt?
Micha: Ja. Ich hatte nie etwas mit Head-shopartikeln zu tun. Ich habe nie eine Bong besessen, in meiner Jugend zog man die gute alte Holzpfeife vor. Und wichtig ist für mich, Dinge zu verkaufen, die ich kenne und die für mich Sinn haben. Ein Bong hat für mich persönlich, ehrlich gesagt, keinen Sinn. Man möge mir widersprechen. Wir sind ein Fachhandel für Pflanzenzucht. Meine Ausbildung zum Forstwirt ermöglicht mir die Führung eines Fachbetriebs. Allerdings verpflichtet das auch, da natürlich auch entsprechende Ansprüche gestellt werden grower forum
grow! Woher bezieht ihr eure Ware? Kommt die aus den Niederlanden — zumindest ist es bis dorthin nicht sehr weit?
Micha: Um in den Niederlanden die Ware günstig bekommen zu können, müssten wir Mengen abnehmen, die unsere Kapazitäten sprengen. Das bindet viel Kapital. Und da wir keinen Großhandel betreiben, reicht es uns völlig, die Ware bei unseren deutschen Lieferanten einzukaufen. Die Ausnahme von der Regel sind die Produkte von Biobizz aus Groningen. Als Lieferant für OMRI-zertifizierte Substrate sind sie uns seit 2004 persönlich bekannt, mit dem Sales-Manager Patrick Stevens verbindet uns seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Biobizz-Substrate sind seit fünf Jahren unsere „Hausmarke“, das heißt, wir bevorraten sie vorrangig. 2012 sind wir Deutscher Meister im BiobizzSubstratverkauf geworden. Aber natürlich sind auch alle Substrate anderer namhafter Hersteller auf Lager.
grow! Wo bestellt ihr?
Micha: Wie schon gesagt: Ganz am Anfang haben wir fast alles aus Holland geholt. Mittlerweile verteilen sich die Einkäufe auf verschiedene Händler. An Grow-inBerlin kommt man als Einzelhändler kaum vorbei, von dort lassen wir uns wöchentlich beliefern. Als ich das Ladenlokal in der Gustavstraße hatte, bin ich noch drei-bis viermal pro Woche während der Mittagspause gefahren. Die Substrate haben wir zur der Zeit noch palettenweise in den Keller getragen. Das war viel persönlicher Einsatz. Irgendwann war das einfach nicht mehr zu bewältigen, die Mittagspause wurde abgeschafft. Eine zeitlang half mir der Mitbegründer aus, doch irgendwann sind wir auf Belieferung umgestiegen. Bei den heutigen Spritpreisen lohnt es sich fast nicht mehr, selbst zu fahren. Aber Holland und zwei große Lieferanten, Bio-G-Power in Fröndenberg und Lumen-max in Oberhausen, liegen innerhalb einer Autostunde. Wenn es sein muss, rollt der Kangoo.
grow! Ihr seid aber irgendwann mit eurem Geschäft umgezogen, denn wie ein „Keller-Laden“ wirkt das hier nicht.
Micha: Ja, wir sind 2003 aus dem Keller ausgezogen und waren dann einige Zeit an dieser Adresse, allerdings im Vorderhaus in einem 25 qm großen Laden mit zwei Schaufenstern. Das war natürlich viel zu klein, wenn vier Kunden im Laden standen, konnten wir wegen Überfüllung schließen. Mir war relativ schnell klar, dass das nicht optimal ist und dass wir uns nach einer anderen Location umschauen müssen. Irgendwie hatte das der Vermieter des Hinterhauses mitbekommen. Der hat mir dann die rechte Hälfte seines Objekts im Hinterhof angeboten, und wir sind nach einem kurzen Rechtsstreit umgezogen. Aus 25 wurden 130 qm. Seit 2011 haben wir die linke Seite auch gemietet und arbeiten jetzt auf über 30o qm, die wir in Laden, Lager und Ausstellungsraum aufgeteilt haben.
grow! Hat sich dadurch die Zahl eurer Kunden verändert? Die Laufkundschaft findet euch hier im Hinterhof ja nicht so einfach.
Micha: Der Fachhandel lebt selten von Laufkundschaft. Die Kunden informieren sich in der Regel über unseren Online-Shop. Dort findet man Bilder und eine Wegbeschreibung. Oder sie finden uns durch unsere Anzeigen. Durch den Umzug wird sich die Zahl der Kunden nicht verändert haben. Ich fand die Arbeit „im Schaufenster“ eigentlich sehr spannend und transparent. So konnte jeder sehen, was wir anbieten. Es gab auch solche, die haben sich die Erde säckeweise nach Hause bestellt.
grow! Und du hast sie geliefert?
Micha: Na klar, und die Säcke im Schweiße meines Angesichts in die Wohnungen, auf die Balkone und Dachterrassen geschleppt, wo die Leute dann ihre Blumen umgetopft haben. Das waren noch Zeiten.
grow! Aber den Service bietest du jetzt nicht mehr?
Micha: Nein, ich persönlich nicht mehr. Der Zahn der Zeit, du weißt was ich meine. Dafür habe ich Felipe und Lorenzo, zwei ausgebildete Gärtner. Heute nennen wir das Ganze Lieferservice, und manche rüstige Rentnerin soll beim Anblick vom feschen Lorenzo schon schwach in den Knien geworden sein. Typ Coca Cola, aber auf kölsch.
grow! Wie ist das Verhältnis zur Nachbar-schaft? Seid ihr hier akzeptiert oder nur „geduldet“?
Micha: Wir haben ein prima Verhältnis zu unseren Nachbarn. Und pflegen es: Der Hinterhof bietet sich natürlich im Sommer zum Grillen an. Gegen ein leckeres Würstchen nach Feierabend ist ja nichts einzuwenden. Zur Fußball-EM hatten wir für die Nachbarn einen Fernseher aufge-stellt, und wir alle haben mitgefiebert. Geduldet hieße ja, dass unsere Anwesenheit die Leute belasten würde. Nein, wir arbeiten hier in einem ganz tollen Viertel von Köln, und die Leute sind froh, dass wir hier sind. Denn, so glaube ich, man muss auch was zurück geben. Und das tun wir.
grow! Und wie würdet ihr die allgemeine Stimmung in Köln beschreiben, geht es hier eher locker zu, oder sollte man als Cannabisfreund vorsichtig sein?
Felipe: Ich weiß nicht, ob es locker zu-geht. Die Polizei hier lässt sich auch hier nicht gern auf der Nase rumtanzen. Egal, von wem. Wer glaubt, machen zu können, was er will, ist schlecht beraten. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass Beamten in Köln recht aufgeklärt sind, dass sie nicht alles in einen Topfwerfen und unterschei-den können.
grow! Gibt es hier denn viele Kiffer?
Felipe: Kiffer? Menschen in Großstädten wie Köln sind in der Regel wesentlich besser aufgeklärt, als Bewohner länd-licher Gebiete. Sie sind besser informiert und haben von daher auch mehr Alterna-tiven. Versuch doch mal im Sauerland die grow! zu kaufen. Nicht jeder Kiffer ist ein Grower. Und nicht jeden Grower würde ich als Kiffer bezeichnen. Wer einen Teil des meist knappen Wohnraums für einen Eigenbedarfsgrow nutzt, entscheidet sich meist für eine Growbox, denn in der Re-gel kommt einmal im Jahr der Heizungsa-bleser. Da muss man flexibel sein. Die 600 Watt werden selten überschritten, also alles in einem Rahmen, der erfolgreiches Anbauen über Jahre ermöglicht.
Micha: Außerdem befinden wir uns ja in der Hochburg des Karnevals. Der Kölner feiert sich gern selber. Und es soll einige geben, die auch ohne Alkohol Spaß haben wollen.
grow!Hast du eine Ahnung, wie viele Pro-dukte ihr hier anbietet?
Micha: Eine genaue Zahl habe ich jetzt nicht im Kopf, aber so Zweieinhalbtau-send unterschiedliche Produkte dürften das schon sein.
grow! Aber ihr hab jetzt nicht jeden Dün-ger da, oder etwa doch?
Micha: Bei den Düngern zum Beispiel gibt es einige Produkte, die sich kaum unter-scheiden. Ein PK13/14 von Hesi und ein PK13/14 von Canna bleibt PK13/14. Ist jetzt vielleicht ein schlechtes Beispiel, denn wir bevorraten beide. Aber es gibt ein paar Produktreihen, die wir einfach deshalb nicht anbieten, weil es genug Al-ternativen gibt.
grow! Und wenn ein Kunde ein ganz be-stimmtes Produkt haben will — bestellt ihr es ihm dann auch, oder gebt ihr ihm ein ähnliches aus eurem vorhandenen Sortiment?
Micha: Sollte es von unserer Seite keine Bedenken gegen das gewünschte Produkt geben, dann werden wir es natürlich besorgen. Meist finden wir schnell je-manden, der es liefern kann.
grow! Macht ihr nebenher Versandhandel, sprich habt ihr einen Online-Shop?
Micha: ULLa war ja ursprünglich als reiner Online-Shop geplant. Jetzt läuft der Online-Handel allerdings nur noch nebenbei. Bei dem Aufwand, den er mit sich bringt, ist mir das aber auch recht. Trotzdem ist der Shop wichtig, denn dort kann sich der Kunde über die einzelnen Produkte, die Verfügbarkeit und Preise informieren. Und das ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen. Wir wollten eigentlich im Januar mit dem neuen Online-Shop fertigsein, aber wie es aussieht, wird es wohl eher Februar oder März. Mit dem neuen Shopsystem wollen wir auch erreichen, dass alle Daten in Echtzeit aktualisiert werden. Änderungen in unserem Warenwirtschaftssystem werden direkt im Online-Shop angezeigt. Ver-fügbarkeit, Preise, Produkteigenschaften.
grow! Wie bist du an deine Mitarbeiter Felipe und Lorenzo gekommen?
Micha: Ich habe den Laden nach dem Umzug in die Gustavstraße alleine geführt. Wenn ich doch mal einkaufen oder Ware wegbringen musste, blieb der Laden in der Zeit geschlossen. Das war natürlich nicht gut, und so kam ich dann darauf, mir Verstärkung zu suchen.
Felipe: Weil ich immer schon gerne gegärtnert habe und dabei immer besonders auf die Qualität des Düngers geachtet habe, war ich öfter mal im Laden, um meinen Lieblingsdünger zu kaufen — im Biobereich sind Baumarktprodukte gewiss keine Alter-native. Und als Michael mich fragte, ob ich in seinem Laden aushelfen könne, passte mir das ganz gut. Denn ich hatte eine Ausbildung zum Gärtner gemacht, was thematisch ja nicht schlecht zu einem Growshop passt. Mit Lorenzo habe ich meine Ausbildung gemacht. Daher war er erste Wahl, als es um die Einstellung einer neuen Aushilfe ging. Lorenzo ist quasi mein Nachfolger als Aushilfe. Seit Mitte letzten Jahres bin ich bei ULLa fest angestellt.
grow! Du bist quasi ein ausgebildeter Fachverkäufer?
Felipe: So könnte man sagen. Den Ausbildungsberuf des Growshop-Verkäufers gibt es so noch nicht, da liege ich mit meiner Ausbildung zum Gärtner relativ nahe dran.
grow! Und du Micha, bist du auch ein Gärtner?
Micha: Nein, ich habe eine abgeschlos-sene Berufsausbildung zum Forstwirt. Hat also auch viel mit Pflanzen zu tun.
Lorenzo: Und ich schließe gerade meine Ausbildung als Produktions-Gärtner ab.
grow! Ich verstehe, ihr kennt euch also gut mit allen möglichen Pflanzen aus. Wie ich eben gesehen habe, bietet ihr auch alle möglichen Pflanzensamen an.
Micha: Ja, bei uns gibt es eine Vielzahl an Sämereien, von Kräutern über Gemüse bis hin zu exotischen Orchideen und Palmenvariationen.
grow! Aber nur legale nehme ich an — also keine Hanfsamen?
Micha: Nein, der Verkauf von Hanfsamen ist seit 1998 verboten.
grow! Hattet ihr eigentlich schon mal Probleme mit der Polizei?
Micha: Noch nie. Wir geben dazu aber auch keinen Anlass.
grow! Das glaube ich gerne. Demnach steht einer „golden Zukunft“ nichts im Wege?
Micha: Das kann ich nur hoffen! Zumin-dest werden wir den Laden in der Gustav-straße bis mindestens 2016 weiterführen, danach eventuell auch an einen anderen Ort gehen, was aber davon abhängt, wie die Verhandlungen mit unserem aktuellen Vermieter verlaufen.
grow! Okay, dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche euch weiter-hin viel Erfolg!

 

More from our blog

See all posts