15 Jahre ROOR

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Als 1993 das Bundesverfassungsgericht sein so genanntes »Haschisch-Urteil« verkündete, löste dies in Deutschland die Entstehung einer neuen Branche aus. Rund ums Thema Cannabis bildeten sich neue Un­ternehmen: Neben zahlreichen Head- und Growshops, die in vielen Städten wie Pilze aus dem Boden schossen, waren dies auch Firmen, die sich mit der Produktion und Entwicklung der unterschiedlichsten Produkte beschäftigen. Dabei entstanden neue Berufe, die es so in der Form zuvor noch nicht gegeben hatte. Zu diesen neuen Arbeitsfeldern gehört neben dem Growshopverkäufer auch der Beruf des Glas­pfeifenbläsers. Zu den ersten seiner »Art« zählt Martin Birzle von ROOR, der seit nun 15 Jahren in der Glaspfeifenherstellung aktiv ist und mittlerweile zu den bekanntesten der Branche gehört. So wurde er auch in diesem Jahr — zum dritten Mal in Folge — vom Publikum mit dem ersten Platz beim Cannabis Cup in der Kategorie Glaspfeifen ausgezeichnet. Wir haben mit Martin die letzten 15 Jahre Revue passieren lassen und dazu folgendes Interview geführt.

 

grow! Hallo Martin, 15 Jahre sind eine lange Zeit. Welche Höhepunkte bzw. Meilensteine sind dir aus all den Jahren im Gedächtnis ge­blieben?

roor 00Martin: Na ja, ich kann mich schon noch an so einiges erinnern … losgegangen war es ja 1994 in Darmstadt mit dem »Cannabis Week­end« der »AG Hanf« und den daraus resultie­renden Aktionen. Damals sind dort die »gei­stigen Grundsteine« für einige Dinge und Firmen gelegt werden, wie unter anderem ja auch für das grow! Magazin. Und das war ebenfalls die Zeit, in der die Idee von ROOR entstand, und damit eine eigene Pfeifenkol­lektion auf den Markt zu bringen.

grow! Ursprünglich warst du »Glaskünstler«

Martin: Zumindest wollte ich einer sein. Aber da man in Deutschland ohne Uni-Abschluss kein Künstler, sondern höchstens ein ambiti­onierter Handwerker werden kann, wurde die Glaspfeifenproduktion zu meiner neuen Beru­fung…

Als einen der ersten wichtigen Meilensteine würde ich außerdem die »CannaBusiness« bezeichnen, die erste Hanfmesse in Deutsch­land.

grow! Das war im Herbst 1996 …

Martin: Ja, ich denke auch. Dort habe ich einen Amerikaner kennen gelernt, der zu meinem Partner werden sollte. Über ihn bin ich mit der amerikanischen Glasbläserszene in Berüh­rung gekommen und habe dort die Anfänge der Bewegung mitgekriegt. Die Art und Weise, wie dort mit Glasbläserei umgegangen wird, hat mich schwer beeindruckt.

grow! Inwiefern? Was unterscheidet die ame­rikanische von der europäischen Art, Glaspfei­fen zu machen?

Martin: Dort ist es von Grund auf ein anderes System. Bei uns in Europa gibt es den Beruf des Glasapparatebauers. Aus diesem Beruf ist bei uns das Herstellen von Bongs letztend­lich entstanden. In den USA gibt es diesen Be­ruf in der Form nicht. Die Glasbläser dort sind weniger Handwerker als viel mehr Künstler. Das drückt sich deutlich in den Pfeifen aus, die es dort gibt. In den Staaten dominieren or­ganische Formen, also nicht so gerade Glas­pfeifen wie in Europa. Auch das Thema Farben spielt in den USA eine ganz andere Rolle. Bei uns kannte man das in der Form lange nicht. Es wird viel Wert auf Ästhetik gelegt, und es gibt dort viele Leute, die bereit sind, dafür entsprechend zu zahlen.

grow! Kunst hat halt ihren Preis … Aber ist der immer gerechtfertigt?

Martin: Es ist schwierig, Kunst richtig zu be­werten. Was dem einen nichts bedeutet, ist für den anderen ein Vermögen wert. Aber wenn man sich anschaut, mit wie viel Liebe und Leidenschaft dort teilweise gearbeitet

wird, und wie viel Kreativität in so mancher Pfeife steckt, dann halte ich die Preise für ab­solut gerechtfertigt. Es ist neben der Kreati­vität aber auch die handwerkliche Fähigkeit gefragt, diese Ideen auch umsetzen und aus­drücken zu können. Beides muss vorhanden sein, sonst kriegt man nicht solche Objekte zustande. Auch was das Farbenspiel angeht: Die Glaspfeifenkünstler in Amerika waren die ersten, die farbiges Borosilikatglas verwen­det haben. Und noch heute wird in Europa kein farbiges Borosilikatglas produziert, das kommt alles aus den Staaten.

grow! Hast du dich davon beeinflussen las­sen? Oder anders gefragt: Hat sich dadurch die Art und Weise, wie du deine Pfeifen herge­stellt hast, verändert?

Martin: Das hat sich in den 15 Jahren schon kontinuierlich weiterentwickelt. Als ich 1995 angefangen habe, hatte ich gerade mal fünf Modelle im Programm. Heute sind das — nimmt man alle möglichen Modifikationen mit dazu — einige Hundert unterschiedliche Glaspfeifen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich in den ersten fünf Jahren ROOR ganz allei­ne betrieben habe — vom Pfeifenblasen über Rechnungen schreiben bis zum Pakete ver­schicken. Mittlerweile habe ich ein Team von zehn Mitarbeitern, sonst wäre das alles nicht zu schaffen.

Sicher habe ich mich von dem inspirieren las­sen, was ich in den USA gesehen habe. Ich denke, dadurch, dass es dort kein richtiges Ausbildungssystem gibt, sind die jungen Glasbläser noch nicht so »verdorben«. Sie sind noch experimentierfreudig und offen für Neues.

Es entstanden Kooperationen, d. h. ich arbei­tete immer mal wieder mit amerikanischen Glasbläsern zusammen und versuche, die or- panischen Formen der amerikanischen mit I en geraden der europäischen Bongs zu kom­binieren. So entstanden die ersten »Farbsec­tions« in unseren Pfeifen. Und die gehen dann eindeutig in Richtung Kunst, denn eigentlich ‘braucht man das nicht wirklich, aber der Preis ist trotzdem dreimal so hoch … Aber es ist halt sehr ansprechend und irgendwie schon ein Prestige-Objekt und Status-Symbol, so etwas hat halt nicht jeder.

roor 01grow! Aber wer’s braucht, ist wohl auch be­reit, den Preis dafür zu zahlen, und der spielt dann kaum noch eine Rolle.

Martin: Es ist nicht viel anders wie bei den teuren Edel-Autos: Die braucht eigentlich auch niemand, aber haben will sie trotzdem jeder …

In den USA hat mich sehr beeindruckt, wie of­fen die Leute dort mit mir umgegangen sind. Mir wurde alles gezeigt und ich durfte über­all mit hin. So etwas wäre in Deutschland undenkbar. Hier ist alles »Betriebsgeheimnis«.

grow! Aber trotzdem werden die Ideen ge­klaut. Nervt dich so etwas oder siehst du es eher als Kompliment?

Martin: Na ja, eine Mischung aus beidem. Auf der einen Seite finde ich es schade, dass die Leute keine eigenen Ideen haben, auf der an­deren Seite denke ich mir, dass schlechte Sa­chen nicht kopiert werden. Wir machen also irgendwas richtig…

In den Staaten ist das, wie gesagt, ganz an­ders. Hier braucht niemand Angst zu haben, dass seine Ideen geklaut werden. Hier arbei­ten die Glasbläser eher als eine Art »Freischaf­fender Künstler«. Das führt zu einer Offenheit, die eine ganz neue Kreativität ermöglicht. Und so ist es kein Wunder, dass unsere Pro­dukte direkt von der Zusammenarbeit mit den Amerikanern profitiert haben. Ich denke, wir waren die ersten in Europa, die buntes Glas verwendet haben.

Auch die »Anti-Roll«-Vorrichtung am Köpf­chen ist eine unserer Ideen, die neben dem ästhetischen auch einen praktischen Nutzen hat. Sie verhindert, dass das Köpfchen ein­fach vom Tisch rollt.

Ein Meilenstein in unserer Firmengeschichte war sicher auch die Entwicklung des »Diffu­sors«. Er sorgt dafür, dass der Rauch optimal in der Bong verwirbelt wird und mit dem Was­ser in Kontakt kommt, was zu einem besseren Raucherlebnis beiträgt. Mittlerweile gibt es den Diffusor auch bei so ziemlich allen ande­ren Pfeifenherstellern …

grow! Du gehörst zu den wenigen Glasblä­sern, die in den letzten Jahren regelmäßig am Cannabis Cup teilgenommen haben. Seit wann bist du dabei?

Martin: Zum ersten Mal habe ich 1997 daran teilgenommen. In den ersten Jahren habe ich auch gleich zwei zweite und einen dritten Platz belegt. Und in diesem Jahr war es ein er­ster Platz.

grow! Ja, das haben wir live im »Melkweg« miterleben können. Hast du die Pfeife — oder soll ich »Waffe« sagen — selbst gemacht?

Martin: Nein, das war eine Zusammenarbeit von Bernd Weinmayer aus Österreich, ein be­freundeter Glasbläser, und der Firma RooR. Sie hat den Namen »Ray Machine #i«.

grow! Aber du warst selbst nicht auf der Büh­ne, um den Cup entgegenzunehmen.

Martin: Serge, der Manager unseres Amster­damer ROOR-Ladens, hat das kurzfristig über­nommen.

grow! Den Laden in Amsterdam gibt es ja auch schon ein paar Jahre …

Martin: Ja, seit 2005. Direkt in der Amsterda­mer Innenstadt.

grow! Hast du nicht auch mal eine Pfeife für B-Real von Cypress Hill gemacht?

Martin: Ja, die »Excalibur«, mit der ich vor drei Jahren auch den Cannabis Cup gewonnen habe. Die ist 1,80 Meter lang und wird von den Rappern live auf der Bühne geraucht. Das ist schon super, dazu gibt es im Internet viele Vi­deos.

Mit B-Real arbeiten wir seitdem regelmäßig zusammen. So beruhen die »PhunckysFeel-Tips« auf einer Idee von ihm. Das sind im Prin­zip Filter aus Glas, die in die Zigarette gedreht und wiederverwendet werden können.

Auch einen Vaporizer haben wir mittlerweile im Programm, der auf eine Glaspfeife gesetzt werden kann.

grow! Ich sehe schon, da ist mal wieder eine Produktvorstellung fällig (siehe ab S. 32). Und vielleicht hast du noch etwas für eine Verlosung übrig?

Martin: Klar, ich bin gerne bereit, eine spezi­elle »grow! Bong« zu kreieren, die dann einer der Leser gewinnen kann.

grow! Das ist doch eine super Idee. Da sagen wir nicht Nein …

Martin: Wir unterstützen die Szene immer gern. So haben wir uns ja schließlich auch kennen gelernt. Und mit anderen Initiativen, die sich für eine vernünftige Drogenpolitik einsetzen, halten wir das genauso. Dem Ge­org Wurth vom Deutschen Hanfverband zum Beispiel haben wir erst kürzlich eine Spende zukommen lassen, damit er seine Reise in die USA zu einem Legalisierungskongress durch­führen konnte.

grow! Das war aber sehr nett von dir!

Martin: Für mich ist das selbstverständlich. Ich profitiere von der Szene, also halte ich es für meine Pflicht, ihr etwas zurückzugeben.

grow! Bleibt zu hoffen, dass dein Beispiel Schule macht und viele aus der Hanfbranche motiviert, zumindest einen kleinen Teil ihres Gewinns an Organisationen wie den DHV oder die Grüne Hilfe zu spenden.

Dir danke ich für das Interview und bin ge­spannt, welche neuen Produkte wir in Zukunft von dir vorstellen können.

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